Der Butterlöffel

Unscheinbar, aber ehemals unentbehrlich

Foto von Karl-Heinz Krützkamp

In der heutigen Zeit ist die Handhabung eines Butterlöffels meist nur noch wenigen älteren Mitmenschen bekannt, denn die Butter liegt im Supermarkt bereit und deren Herstellung erfolgt in industriellen Großanlagen. Der Butterlöffel ist somit ein Gebrauchsgegenstand, der gegenwärtig kaum noch Beachtung findet. Vor über einem halben Jahrhundert war das noch anders.

Bis in die späte Nachkriegszeit, Anfang der 1950er Jahre, lag die Butterproduktion nicht ausschließlich in den Händen der örtlichen Molkereien, sondern auch bei den bäuerlichen Familienbetrieben, welche Butter weiterhin auf traditionelle Weise herstellten.

Zwar diente die erzeugte Menge ursprünglich dazu den Eigenbedarf zu decken, aber der Hunger bestimmte Denken und Handeln der Menschen in den Nachkriegsjahren. In den Städten reichte die mit Lebensmittelkarten zu kaufende Nahrung bei Weitem nicht aus, sodass nur Tausch- und „Kompensationsgeschäfte“ das Überleben sichern konnten. Massenhaft begab sich die Stadtbevölkerung aufs Land, denn dort war die Versorgungslage weitaus besser.

Kurz nach Kriegsende setzten die Hamsterfahrten ein.

In überfüllten Zügen, zu Fuß und mit dem Fahrrad, oft tagelang ohne zu rasten oder zu schlafen, wurden die Dörfer bereist, um Hausrat, Kleidung sowie Wertgegenstände gegen Butter, Speck und Kartoffeln zu tauschen. Viele Bauern ließen sich die Lebensmittel teuer bezahlen, worauf die bösen Worte vom „Perserteppich im Kuhstall“ die Runde machten. Häufig wurde das mühsam „Gehamsterte“ auf dem Weg nach Hause beschlagnahmt. An Bahnhöfen und Zufahrtstraßen fanden Kontrollen statt, denn „Hamstern“ war offiziell verboten. Doch die Kontrollen als auch die Appelle, das „Hamstern“ zu unterlassen, zeigten keinerlei Wirkung. Mit der Zeit wurden die strengen Regelungen gegen das „Hamsterunwesen“ entschärft und Lebensmittel in bestimmten, festgelegten Mengen, die der Selbstversorgung dienten, nicht mehr eingezogen.

Vor diesem historischen Hintergrund erscheint der eingangs genannte Butterlöffel in einem anderen Licht.

Der einfache, aus Buchenholz geschnitzte Löffel ist vermutlich um 1910 hergestellt worden. Er misst von der Laffe bis zum Haken am Ende des Griffs 25,3 cm. An der Vorderkante ist der Löffel im Verhältnis zur Länge mit 12 cm sehr breit ausgeführt. Das lässt Rückschlüsse auf die Anwendung dieses Haushaltsgerätes zu. Die Löffelschale ist leicht konkav ausgebildet, um große Mengen einer teigartigen Masse aufzunehmen.

Der Löffel kam beim letzten Arbeitsschritt der Butterherstellung zum Einsatz, die wie folgt ablief:

Der für die Butterproduktion benötigte Rahm wurde aus der Rohmilch gewonnen. Nach dem Melken wurde die Milch in flache Wannen gegossen und an einem kühlen Ort, meistens im Keller, ruhig gestellt. Nach zirka 1 bis 2 Tagen schwamm der Rahm, da Fett bekanntlich leichter ist als Wasser, auf der Milch. Dann wurde er mit der Rahmschöpfkelle abgeschöpft und ins Butterfass gegeben. Nun konnte der Rahm zu Butter geschlagen werden. War die Menge des zu schlagenden Rahms eher klein, wurden fast ausschließlich Stoßbutterfässer verwendet.

Das Schlagen war eine typische Kinderarbeit. Mehr als eine halbe Stunde musste nun der Stempel im Fass raufgezogen, dann um einen Viertel gedreht und wieder runtergestoßen werden. Wenn sich das Milchfett von der Buttermilch zu trennen begann, wurde das Stossen für das Kind zu schwer und die Mutter oder Tante wurde gerufen. Später wurde häufig auch ein Schlagbutterfass eingesetzt, dessen Griff an einer Zahnradmechanik die rotierenden Schlägel im Innern des Fasses antrieb.

Diesen Vorgang der Trennung des Milchfettes zu Butter und Buttermilch nennt man im Glandorfer Platt „Botterkiernen“.

War dieser Arbeitsschritt abgeschlossen, wurden mit dem Butterlöffel die dicken Butterflocken aus der Buttermilch gefischt und in eine Butterschüssel gefüllt. Die Buttermilch wurde nun abgegossen und diente als ein vorzüglich durstlöschendes Getränk. Mit dem Butterlöffel wurden die Butterflocken zu einem Klumpen zusammengeknetet und die letzte Buttermilch herausgepresst. Umso weniger Buttermilch in der Butter enthalten war, desto hochwertiger war diese. Der Löffel diente dann ebenfalls zum Aufteilen der Butter in kleinere Stücke und zum Formen dieser Einzelrationen.
Es war also eine äußerst mühsame und anstrengende Arbeit, bis es möglich war, in den Genuss von „guter Butter“ zu gelangen.

 

Für Kultour-Gut! Glandorf

Frank Niermann

 

Quellen: