Drei-Dörfer-Treffen an der Bever

Dieses Treffen der niedersächsisch-westfälischen Grenznachbarn fand auf Initiative der Heimatvereine Füchtorf und Milte das erste Mal am 21. Juni 2010 statt. Seit 2012 wirkt der Heimat- u. Kulturverein Glandorf e.V. ebenfalls als tatkräftiger Organisator mit.

An dem Ort, an dem die Dörfer Füchtorf, Milte und Glandorf aneinander grenzen, befindet sich eine geschichtsträchtige Stätte und ist idyllisch gelegen am Nordufer der Bever, die an dieser Stelle auch die Landesgrenze zwischen Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen darstellt.

Bis zur Auflösung des Königreichs Preußen und des Königreichs Hannover befand sich dort eine scharf bewachte Grenze, die mit Grenzsteinen markiert war. Einer dieser Steine, der im Zuge der Flurbereinigung in diesem Bereich im Wege stand, wurde seinerzeit von dem Füchtorfer Landwirt Hüchtker sichergestellt.

In einer Gemeinschaftsaktion mit Vertretern der drei Dörfer wurde der Stein an seinem jetzigen Standort aufgestellt und der Platz mit einer Sitzbank für Radwanderer sowie mit Fahnen der beiden Bundesländer ergänzt. Außerdem wurde beschlossen, dass künftig immer am 21. Juni zur Sommer-Sonnenwende ein Treffen der beteiligten Gemeinden an dieser Stelle stattfinden soll.

Ob jung, ob alt - Gesang erhalt's!

Ob jung, ob alt – Gesang erhalt’s!

Um die Veranstaltung mit etwas mehr Spaß und Spannung zu „würzen“ ersann Kultour-Gut! Glandorf ein Aktionsspiel für das alle drei Dörfer eine Mannschaft stellen können. Der „Soltlaup ürwer de Bierwer“ (Salzlauf über die Bever) stellt den Salzschmuggel über die Bever nach. Je drei Schmuggler aus dem „Königreich Preußen“ (Nordrhein-Westfalen) und drei aus dem Königreich Hannover (Niedersachsen) treten gegeneinander an. Die Salzschmuggler müssen versuchen, so schnell wie möglich die Bever mit zwei schweren Salzsäcken auf einem schmalen Balken zu überqueren. Dieser Steg ist ein freitragender Doppelbalken mit einer Länge von 13 Metern und einer Breite von 24cm. Die Bever ist am Ufer unterhalb der Böschung insgesmt 9 Meter breit. Es werden insgesamt pro Person zwei Läufe -hin und zurück- angesetzt. Die Zeiten werden gestoppt und summiert. Die Mannschaft mit der schnellsten Gesamtzeit hat gewonnen. Als Gewinn lockt das „Weiße Gold“ (handgeschöpft und gesiedet in Bad Rothenfelde) und der Titel „Könige der Salzschmuggler des Jahres 2016“

Dieser Wettbewerb hat mit dem Salzschmuggel einen für unsere Region sehr interessanten historischen Hintergrund: Im Jahr 1727 wurde in Preußen die sogenannte Akzise eingeführt – eine Verbrauchssteuer an den preußischen Staat (u. a. auch auf Salz). Nachdem 1728 die Rothenfelder Solequellen entdeckt worden waren, aus denen aufgrund des hohen Solegehaltes mit wenig Energieaufwand qualitativ hochwertiges Salz gewonnen werden konnte, entwickelte sich auch eine rege Schmugglertätigkeit ins benachbarte Preußen.

Das Salz war für das Würzen der Speisen, besonders aber zum Konservieren vieler Nahrungsmittel unentbehrlich und konnte nicht selbst hergestellt werden. Es war darum eines der am häufigsten geschmuggelten Güter. Der Salzschmuggel, vor allem zwischen 1815 und 1866, zeigt wie sich die preußische Salzpolitik für den einfachen Verbraucher auswirkte. Der Staat legte den Salzpreis fest. Dieser betrug 1843 für ein Pfund in Preußen 15 Pfennig und in Hannover hingegen nur 5 bis 8 Pfennig.

Der Grenzabschnitt zwischen Glandorf und Füchtorf ist ein Ort, an dem noch vor einigen Generationen der Schmuggel lebhaft blühte. Die Schmuggler kamen aus den armen Bevölkerungsschichten und viele konnten der Versuchung nicht widerstehen, das billige und ausgezeichnete Rothenfelder Salz nach Preußen einzuschmuggeln.

Der Schmuggel galt als „Einschwärzung“ und wurde als Steuerhinterziehung geahndet. Im Schichtdienst schritten mit Schießbefehl ausgestatteten Kontrolleure die Grenze ab. So kam es durchaus zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Schleichhändlern und Zollbeamten, welche bisweilen auch Todesopfer forderten.

Doch diese Zeiten sind glücklicher Weise längst vorbei. Heute erfreuen sich die Teilnehmer des Drei-Dörfer-Treffens daran, die gemeinsame Geschichte feiern zukönnen. In den vergangenen Jahren nahmen auch Jungendmannschaften am Soltlaup teil und der Kinderchor, die „Milter Spatzen“, eröffneten die Veranstaltung. Ein Fest das tatsächlich jung und alt zusammenbringt.

Glandorfs Bürgermeisterin Frau Dr. Heuvelmann ergriff 2015 die Initiative und hatte die Bürgermeister aus den benachbarten Gemeinden ebenfalls zum „Soltlaup ürwer de Bierwer“ herausgefordert. Somit erschienen tatsächlich die stellvertretende Bürgermeisterin von Warendorf Frau Doris Kaiser (für Milte) und der Bürgermeister von Sassenberg Josef Uphoff. Frau Kaiser hatte allerdings nicht mit dem gerechnet, was sie am Drei-Dörfer-Eck erwartete und war kleidungstechnisch nicht entsprechend ausgerüstet. Deshalb musste sie leider vor Ort von ihrer Teilnahme zurücktreten. Sie war aber davon überzeugt, im nächsten Jahr antreten zu können.

Uphoff tauch ein!

Uphoff tauch ein!

Nach den spannenden Wettkämpfen lassen sich die Gäste Bratwurst und kühle Getränke gerne schmecken. Viele nutzten die Gelegenheit für lange und nette Gespräche. Für musikalische Höhepunkte sorgt das Füchtorfer Senioren-Ensemble mit ihren „Quetsch-Kommoden“. So werden immer wieder einige angenehme Stunden in sympathischer Gesellschaft (und Nachbarschaft) verbracht.

 

Auch in diesem Jahr freuen sich die beteiligten Heimatvereine darauf zahlreiche Besucher begrüßen zukönnen.